Dietro le quinte di Infojuice, intervista a Omar Signori

Infojuice: 365 Tage frisch "gepresste" Nachrichten

Es begann mit einer Anfrage aus dem Raiffeisenverband: der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, Paul Gasser, suchte einen effizienten Pressespiegel in digitaler Form. Omar Signori griff diese Idee auf und gründete im Jahr 2009 die Firma Euregio. Ein Unternehmen, das sich auf lokale, nationale und internationale Medienbeobachtung spezialisierte. Ein Interview.

Herr Signori, Ihre Firma bietet Kunden eine professionelle Medienbeobachtung. Wie kann man sich diesen Dienst vorstellen? Als wir im Jahr 2008 mit unserer Arbeit begonnen haben, erschienen die meisten Zeitungen noch in Papierformat. Nur die Tageszeitung Dolomiten wurde seit Kurzem auch digital angeboten. Die Anfrage aus dem Raiffeisenverband hat uns dazu gebracht, Techniken zu entwickeln, um den Prozess der Digitalisierung, Speicherung und Weitergabe von Zeitungsartikeln zu vereinfachen. Dazu zählen auch technische Hilfsmittel, die das gesprochene Wort in Schrift umwandeln. Wir haben ein eigenes Portal daraus gemacht mit all den Diensten, die wir heute anbieten. Was genau bietet Euregio bzw. das Portal Infojuice? Wir sammeln und dokumentieren sämtliche Artikel aus Südtiroler Tageszeitungen, Radio- und Fernsehbeiträgen sowie Beiträge aus dem Web und den sozialen Medien, geordnet nach Themenkreisen oder Stichworten. Mit Infojuice haben wir einen äußerst komplexen 360-Grad-Monitoring-Dienst geschaffen. Wir erfassen auch die Kommunikation eines Unternehmens und jene Kommunikation, die spontan aus den Medien entsteht oder das, was der Markt oder die Medien selbst zu bestimmten Themen sagen.

Wie sieht der typische Tagesablauf aus?Hm... mittlerweile kann man sagen, dass der Tag niemals beginnt. Es ist ein Rund-um-die-Uhr-arbeiten, ein kontinuierliches Erfassen von publizierten Inhalten: 365 Tage im Jahr für 24 Stunden.Um 2.00 Uhr früh beginnt das automatische Runterladen sämtlicher Inhalte der italienischen Tageszeitungen mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Südtiroler Medienlandschaft. Die Server erstellen Verzeichnisse, geordnet nach Schlüsselbegriffen und Themenkreisen, die unsere Kunden vorgeben. Unsere Mitarbeiter beurteilen anschließend, welche der gefundenen Artikel interessant oder weniger interessant für die jeweiligen Kunden sind.Ein Unfall in der Raiffeisenstraße interessiert den Raiffeisenverband beispielsweise nicht, auch wenn das Stichwort Raiffeisen erwähnt ist. Ein Unfall im Raiffeisenhaus hingegen schon. Diese Fein-Auswahl der Artikel wird derzeit noch "manuell" erledigt. Künftig soll auch dieser Schritt automatisiert werden. Dazu arbeiten wir gerade - in Zusammenarbeit mit der Universität Bozen - an einer semantischen Suchmaschine, die in der Lage ist, alle sogenannten "falschen" Artikel auszusortieren. Durch die zunehmende Automatisierung können wir den Pressespiegel heute bereits zwischen 7.00 und 8.00 Uhr liefern. Über spezielle Apps erhalten unsere Kunden also schon in der Früh, wenn sie noch zu Hause sind, sämtliche Nachrichten, die sie betreffen, aufs Handy. Unsere Tätigkeit geht dann weiter mit dem Monitoring der Radio- und Fernsehnachrichten, daneben überwachen wir laufend den Onlinebereich und die Sozialen Medien.

Ist der Zugriff auf all diese Inhalte nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Medien möglich?

Ja, wir arbeiten nicht nur mit der Firma Athesia, sondern mit allen Herausgebern, auch um entsprechende Autorenrechte zu wahren. Dazu gibt es in Italien eine Vereinigung, die Promopress, die uns einerseits den Zugang zu diesen Rechten ermöglicht und uns anderseits erlaubt, die Inhalte der Zeitungen weiter zu publizieren. Gibt es noch andere Firmen in Südtirol, die diesen Dienst anbieten? Was die Verschriftlichung von Fernsehnachrichten angeht, sind wir eine der wenigen in ganz Italien, die diese Technologie anwenden, die einzigen in der Region Trentino Alto Adige.

Gibt es auch eine Zusammenarbeit mit dem deutschsprachigen Ausland?

Ja, nicht nur mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben derzeit über fünfzig Kooperationen auf der ganzen Welt. Das heißt unsere Kunden erfahren unmittelbar, ob in Japan, China, in der Türkei, den USA oder in Russland Nachrichten zu bestimmten Suchbegriffen, wie zum Beispiel "die Gärten von Trautmannsdorf", erschienen sind.

Wie viele Menschen arbeiten für Euregio?

Derzeit arbeiten fünfzehn Personen für uns. Mehr als die Hälfte davon im Bereich Forschung und Entwicklung. Andere wiederum produzieren Inhalte. Wir legen sehr viel Wert auf Forschung und Entwicklung und versuchen immer intelligentere Systeme zu entwickeln, um die Datenentnahme weiter zu automatisieren. Dabei arbeiten wir eng mit der Universität von Bozen und der Eurac zusammen. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Systems, das uns hilft, die Textauswahl noch weiter auf die persönlichen Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Welche Projekte stehen noch an?

Unsere Systeme zählen zu den aktuellsten und technisch ausgefeiltesten auf diesem Gebiet. Das sehen wir auch im Austausch mit der nationalen Gruppe FIBEP, die alle Mediamonitoring-Firmen der ganzen Welt vereint. Die spezielle Situation der Dreisprachigkeit in Südtirol ermöglicht uns - dank der natürlichen "Laborsituation" in Südtirol - die entwickelten Technologien in mindestens zwei Sprachen auszuprobieren. Damit sind wir anderen Unternehmen in diesem Bereich einen oder sogar zwei Schritte voraus. Mit Sicherheit allen italienischen Unternehmen, die doch noch sehr auf den italienischen Markt spezialisiert sind.In Zukunft wollen wir die erhobenen Daten noch besser nützen. Das geht über den klassischen Pressespiegel hinaus und bietet unseren Kunden eine Art Business Intelligenz: Die große Menge an Daten, die journalistisch recherchierte Informationen, Ansichten und Zahlen enthalten, sollen für Analysen und strategische Planung zur Verfügung gestellt werden. Außerdem möchten wir unsere Dienste weiter ausdehnen, in Richtung italienischer Markt und angrenzender Länder.

http://www.raiffeisen-nachrichten.it/news/aktuell/aktuell/infojuice-365-...

Interview: Dr. Irene Schlechtleitner, Raiffeisenverband